Viva la Radkultur

Was für ein Jahr! Das Fahrrad wird immer beliebter!
Da leben wir nun in bewegten Zeiten und vieles was Jahrzehnte lang gewohnt funktioniert hat scheint überholt. Unsere deutsche Autofahrernation ächzt vor lauter Skandalen. Was früher Echt und Wert hatte, löst sich in Abgasqualm auf. Die Auto-Identität versucht mit Integrität zu strahlen, doch so recht will das nicht mehr gelingen.
….und da fährt doch glatt ein freundlich dreinblickender Fahrradfahrer an einem vorbei!
Dem gegenüber schauen die Autos immer grimmiger, zorniger und aggressiver drein, so als würden sie gerne alles um sich herum auffressen und wegpusten wollen. Und in den Autos? Wo ist das entspannte, sorgenfreie Lebensgefühl geblieben? Die Aufbruchstimmung zum Abenteuer? Wie weggepustet? Streß, Druck, Stau und Kontrolle sind Alltag geworden. So werden die Autofahrerbäuche vom langen Sitzen immer dicker, der Darm träge und der Blick stumpf.
….und da fährt doch glatt schon wieder ein freundlich dreinblickender Fahrradfahrer an einem vorbei!
Was Meier, Müller oder Schulze sich im Angesicht des Schweißes hart erarbeitet haben verliert an Bedeutung und so stetig sickert die Erkenntnis durch, daß unser geliebtes Blech-Statussymbol, in der Art wie wir es kennen und nutzen, wohl seinen Zenit überschritten hat.

Freiheit und Glück erfahren einen Wertewandel – hin vom Haben zum Sein, vom Besitzen zum Bewegen, vom Halter zur Haltung. Die Frage nach Sinn und Lebensaufgabe, nach innerer Führung und positiver, lebensbejahender Grundeinstellung, um daraus klare Lösungen und Entscheidungen für sich und seinen eigenen Lebensweg zu finden werden wichtiger. Wir entdecken unseren Körper wieder und stellen meist fest, wie verkrampft, verspannt er von den vielen alltäglichen Aufgaben, Einflüssen und Informationen ist. Wie kommen wir da raus und wieder hin zu mehr Entspannung, Freundlichkeit und Lächeln? Wie kommen wir raus aus unseren bequemen Blechkorsett?

….und wieder ein freundlich dreinblickender Fahrradfahrer der winkend an einem vorbei fährt!

Verflixt und zugenäht! Da gibt es doch Menschen die scheinbar leichter und sorgenfreier in dieser zersetzenden, unsicheren  Zeit leben können. Mit Haltung und Anmut, mit Stolz und Rückgrat sausen sie an einem vorbei. Und wenn man mit ihnen spricht, erzählen sie einen von den Höhen und Tiefen des Lebens, was sie durchmachen und durchgemacht haben, wieviel Steine ihnen in den Weg gelegt werden und wie sie manchmal lustig, manchmal stolpernd über diese hinüber gesprungen sind. Klar schauen sie einen an und manchmal wenden Sie den Blick sehnsüchtig in die Ferne schweifend ab. Nie werden diese Gespräche langweilig und lange hallt der Sog, daß das Leben mehr zu bieten hat als es oft scheint und im durchschnittlichen Gerede dargestellt wird nach.

….und schon wieder einer, lächelnd auf zwei Rädern!

Es werden mehr! Wir werden mehr! Und ja, jetzt kommt’s:

Viva la Radkultur!

Das Fahrrad als zukunftweisendes und zukunftsfähiges Verkehrs-
und Transportmittel rückt immer mehr im Fokus. Nicht allein, sonder vernetzt. Mobilität vom morgen sieht vielfältig aus. Ob zu Fuß, per Bus, per Bahn, mit dem Leih-Fahrrad, Mitfahrgelegenheiten oder als Car-Sharing, es wird sich vernetzt bewegt. In Kontakt mit seinen Mitmenschen.

Wir leben hier ja mitten auf dem Land. Genau zwischen Hamburg und Berlin. Viele kennen das Wendland, weniger die Altmark. Vordergründig ist hier nicht viel los, auf dem zweiten Blick dann doch viel mehr als man denkt. Das kann jeder, der durch unsere Region fährt selbst entdecken.
Vor 15 Jahren bin ich mit der Idee gestartet gute, auf dem Menschen abgestimmte Fahrräder zu verkaufen. Der Name Radkultur war damals schon Programm und ich versuchte immer das Ursprüngliche und den Urkult des Fahrrades zu erfassen, diesen mit den technischen Möglichkeiten der heutigen Zeit zu verbinden und daraus Fahrräder zu erschaffen, die die größtmögliche Stimmigkeit zu ihren Besitzern erlangen, damit dieser so frei und kraftvoll wie möglich unterwegs ist. Nie wurde ich satt vom Thema Fahrrad. Und so fahren heute neben vielen individuellen, massangepassten Fahrrädern auch eine ganze Flotte von orangenen Leihfahrrädern durch die Gegend. Oft zweifelte ich an meinen Radkultur-Weg hier im leeren, ländlichen Raum. Oft bekam ich dazu die zweifelde Frage: „Und davon kann man leben?“ zu hören. Nie konnte ich diese Frage ganz verstehen und nie erlag ich meinen / diesen Zweifeln – zum Glück! Und so ging es bis heute weiter und ich kann sagen „Ja, die Radkultur lebt und wir mit ihr.“
Heute hat sich die Radkultur zum kleinen Unternehmen gemausert. Gute Helfer stehen mit Rat und Tat täglich hinter der Idee, der Firma und mir und sorgen dafür, daß jeder sein (Leih)-Fahrrad bekommt. Der Kern, also der Kulturaspekt, genauer gesagt „Der Mensch und das Fahrrad“ stehen weiterhin im Mittelpunkt. Dies zu sehen macht mir Freude und staunend, fasziniert betrachte ich, daß es in unserer Welt funktioniert, ein Geschäft auf ein eher künstlerisches, philosophisches Fundament zu stellen.

….ha! Da fährt schön wieder einer lächelnd, pedalierend vorbei!

Unsere Ausrichtung auf eine fahrrad-freundliche Zukunft in der Autofahrernation Deutschland ist schon gewagt, scheint aber nicht mehr so abwegig. Im Gegenteil. Zwar schauen wir noch so manches mal sehnsüchtig zu den Holländern, nach Dänemark und nach Amerika. (Ja richtig, nach Amerika. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten geht so richtig was in Sachen Fahrrad. In unserem Blogartikel „200 Jahre Fahrrad – Ein etwas anderer Blick“ steht darüber was geschrieben.)
Aber das Schlagwort der Nation lautet jetzt Verkehrswende. Diese wird heute hauptsächlich im urbanen Raum beachtet und angeschoben. Das ist gut und verständlich, aber nicht alles. Denn, wir auf dem Land brauchen auch tragbare, zukunftsfähige Lösungen für eine nachhaltige Mobilität, ob im Alltag oder in der Freizeit. Wie die aussehen? Da gibt es zum Glück das rebellische Wendland, wo ein Gegenentwurf zum Gewohntem auf der Tagesordnung steht. So sind wir aktuell im Gespräch mit offiziellen und inoffiziellen Fahrradbegeisterten. Denken und gehen über Grenzen und vernetzen uns – fahren gemeinsam Fahrrad.

Das ist grade der Stand der Dinge in diesen bewegten Zeiten.

…und vielleicht bist du der Nächste, der freundlich dreinschauend, mit flotten Tritt an jemanden vorbeifährt.

In diesem Sinne

Viva la Radkultur

Euer Christian

 

2 Antworten auf Viva la Radkultur

  • Ich fahre jeden Morgen (auf dem bei Dir gekauften Lieblingsfahrrad) meinen (wenn auch kurzen) Weg zur Arbeit.
    Ein Hoch aufs Drahteselchen!
    Liebe Grüße an den Zweiradzauberer
    Anita

    • Hallo Anita,
      danke, das ist gut, daß du dein Leiblingsfahrrad gefunden hast und ihr Eure
      täglichen Wege habt. Und den Zweiradzauberer grüße ich doch gerne,
      der freut sich immer tierisch darüber.
      Liebe Grüße
      Christian

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.