Radkultur unterwegs in Dänemark

Die letzten zwei Septemberwochen ging es mit Kind, Fahrrad und Surfbrett im Huckepack nach Dänemark. Wir haben das Meer, den
Strand, den kräftigen Wind, die leichtfüßige dänische Kunst, die vielen frischen Meeresfrüchte und natürlich die bekannte dänische
Freundlichkeit genossen. Ein kleines Ferienhaus, direkt an den Klippen von Lønstrup war in der ersten Woche unser Domizil. Die zweite
Woche wurde zum Roadtrip und führte uns wieder gen Süden, immer entlang der Nordseeküste, zu den bekanntesten Windsufspots von
Hanstholm und Klitmøller, und nach Ribe, in die älteste Stadt Dänemarks. Unsere Fahrräder hatten wir  immer mit dabei und da wo es
schön war, gingen dann unsere Entdeckungen per Velo weiter.
.

Lønstrup in Nordjütland

radkultur-in-daenemark-1

Lønstrup ist ein hübsches, altes Fischerdorf, dass 1877, durch eine Naturkatastrophe und deren Berichterstattungen darüber bekannt
geworden ist und seit dem Touristen anzieht. Wir wußten kaum etwas über Lønstrup, nur dass es in Norddänemark, direkt an
der Nordsee liegt und unser Ferienhaus  gemütlich und im lockeren Verbund mit anderen Freienhäusern, an der Steilküste steht.
Das uns eine so hübsche kleine Stadt, mit vielfältiger Kunst und Kultur empfängt, war dann schon eine Überraschnung. Neben kleineren
und größeren Galerien, mit Glas, Keramik, Bildhauerei und Gemälden, findet man in Lønstrup auch viele gute Cafés und Gaststätten, sowie
einen gut sortierten Supermarkt, wo es leckere frische Garnelen gibt. Die Umgebung lädt zu ausgedehnten Spaziergängen und Radtouren
ein und zu Fuß kann man entlang der Steilküste, die ca. 30 Meter zur Nordsee abfällt, die alte Marup Kirche besuchen. Wer weiter wandern
möchte, gelangt dann zum Leuchtturm Rubjerg Knude, der 1899 in Betrieb ging und Ende der 1960er Jahre stillgelegt wurde, da eine Wander-
düne ihn Stück für Stück einschließt. Heute ist der Leuchturm wieder begehbar und man bekommt von oben einen fantastischen Blick in die
Landschaft und auf´s Meer.

Die Nordsee und das goldene Septemberlicht, das schimmernde Strandgut, die immer sich neu verformende Landschaft zwischen Dünen,
Sand und Meer hat besonderen Menschen, in diesem abgelegenen Winkel, einen Ort des kreativen Schaffens bereitet, der sie immer neu
inspiriert, und ihnen neue Materialien und Blickwinkel für ihre künstlerischen Arbeiten gibt – hier ein paar Werkstätten, Künstler und Orte,
denen wir auf unseren Radtouren begegnet sind:
.

 Dorte Visby in der Visby Galerie, Lønstrup

radkultur-in-daenemark-2

In dieser Galerie stellen dänische und internationale Künstler ihre Arbeiten in Keramik, Holz und Textil vor. Einige dieser Künstler leben und
arbeiten gemeinsam auf diesem alten Bauerngehöft, an der Klippe in Sichtweite der alten Marup Kirche – eine von ihnen Dorthe Visby.
Ihre Keramiken, größtenteils im Raku-Brand erschffene Skulpturen, Wandbilder und ausdrucksstarke Gefäße, zeugen von den Materialien
der nahen See. Salz und Seetang haben den keramischen Objekten eine eigene Oberfläche und Gestalt gegeben – Keramiken jenseits des
üblichen Gebrauchtwarensamelsuriums. Jede Arbeit ein Unikat, wie von Wind und Wetter, von Sturm und Gezeiten erschaffen.

Dorte Visbys Scheune hat uns gleich an unsere Radkultur-Scheune in Binde erinnert – ein Ort des Schaffens, des Arbeitens und der ständigen
Veränderung – weit ab der großen Straßen, mitten auf dem Land – Ein Kleinod, unweit der nationalen dänischen Radroute Nr. 1.
.

Keramikwerkstatt KeraModa, Lønstrup

radkultur-in-daenemark-3

Mitten in Lønstrup, direkt an der Radroute Nr. 1, trafen wir auf Dortes Lehrer Mogens Falkenberg, der seit 30 Jahren, die Keramik-
werkstatt KeraModa in Lønstrup betreibt – ebenfalls in einer ausgebauten Scheune. Eine ganz andere Technik, andere Glasuren, ein viel
bildlicher Ausdruck in den Keramiken, und doch auch hier waren die Einflüsse der Lanschaft, des Meeres deutlich zu spüren.
Neben Gebrauchskeramiken, wie Schalen, Tassen, Krügen, Kerzenhaltern und Lampen, entstanden in der Werkstatt wunderschöne
Skulpturen. Meistens Menschen am Meer – segelnd, in die Ferne träumend, windzerzaust, sehnsüchtig…
Die Arbeiten von Morgens gefielen uns sehr. Als Mitbringsel, auch weil es gut in den Fahrradtaschen zu transportieren war, nahmen wir
eine Lampe mit – die Form ein Leuchtturm, die Glasur eine flüchtige Erscheinung von Sand und Meer.
.

Vennjeberg Mühle, Lønstrup

radkultur-in-daenemark-4

Mühlen gibt es nicht nur am Arendsee – Mühlen gibt es überall wo ein Wind weht. Auch Dänemark ist voll von Windmühlen – die schönste
haben wir am Wegesrand kurz vor Lønstrup gefunden: die Vennjeberg Mühle. Und hier fanden wir alles, was wir in Arendsee manchmal
so sehr vermissen: ein beschaulich-kreativer Kaffeegarten, excellente Kaffespezialitäten aus einer guten Siebträgermaschine, Kuchen, Gebäck
und Brote in Bio-Qualität, regionale Keramiken, auf denen der Kuchen gleich zum individuellen Kaffeeglück wird und eine sommerlich
strahlende Bedienung, die in dem bunt-gemütlichen Interior umherflitzte, mit reichlich gefüllten Tabletts und frischen Blumen für die Gäste.
Auf unseren Radreisen kehren wir selten zweimal in ein Cafe oder ein Restaurant ein – hierher radelten wir gleich dreimal…
.

Impressionen in und um Lønstrup

 

.

Entlang der Nordseeküste in Jütland bis zur deutschen Grenze

radkultur-in-daenemark-6
Nachdem wir in und um Lonstrup alles ausgiebig per Rad erkundet hatten, reisten wir weiter entlang der dänischen Westküste – das Meer
immer in Blickweite. Einsame Dünenlandschaften wechelten sich mit Ferienhaussiedlungen ab, ländliches stilles Hinterland mit quirligen
Fischerorten, die der Tourismus auch in der Nachsaison noch reichlich belebte. Immer wieder hievten wir die Räder vom Transporter,
um ganz dicht in das spätsommerliche Treiben einzutauchen. Auf unserem Weg trafen wir die Wellenreiter in Løkken (ein Dank an Kasper Bix
und die schönen Stunden am Surfspot North Shore Surf in Løkken, wo ich mich, der reisende Radler, kurzerhand mit dem Bord in die
Wellen stürzte), und nicht wenige Tage später konnten wir die wilden Surfer in Hanstholm und Klitmøller bewundern.
Inzwischen hatte der Wind 7 Windstärken erreicht und unsere Räder reisten immer längere Strecken auf der Ladefläche unseres Transporters.
Und nach vielen Stunden Meerwind, Wellen, Sand und Einsamkeit, fuhren wir in die engen Gassen von Ribe, der älteste Stadt Dänemarks.
.

Ribe – Südjütland

radkultur-in-daenemark-7

Ribe war definitv eine Stadt, die man im Dänischen als „hyggelig“ bezeichnen kann. Es wurde Zeit, in den engen gewundenen Gassen den
großen Transporter stehen zu lassen und auf´s Rad umzusteigen. Und so fuhren wir auf den Kopfsteinpflasterstraßen des 6000-Seelen-Städtchen
vorbei an alten Fachwerkhäusern, Ziegelfassaden, kleinen Geschäften und Cafés. Wieder waren wir von der lebendigen und kreativen Vielfalt
überrascht, war der Ortdoch kaum größer als unser Arendsee, und lag weder an See noch Meer. Zum Abend kehrten wir in dem alten,
umgenutzen Kaufmannsladen Quedens ein, in dem junge Leute ein buntes Vintage-Café und -Bistro eingerichtet hatten und in dem es neben kleinen
Gerichten auch regionale Bio-Spezialitäten und überregionale „Gebrauchtwaren“, wie englische Rosenseife, irische Lammwolldecken
und dänische Laktrizten zu kaufen gab. Ein Sammelsurium an Farben, Düften und Stimmen, denn offensichtlich kehrten hier Einheimische
und Besucher gleichermaßen gern ein.

 

Impressionen entlang der dänischen Nordseeküste

.

Gut angekommen!

Nach zwei Wochen endete eine wunderschöne Rad- und Autoreise entlang der dänischen Nordseeküste, die auch in der Nebensaison eine
(Rad-)Reise wert ist und in der sich dieses Stück Europa, für den interessierten Reisenden, von seiner sanftesten und wildesten, seiner
kreativsten und inspirierendsten  Seite zeigen kann, sofern man entschleunigt und nah an die Dinge herankommt.
Jetzt, nach zwei Wochen „Radkultur Starck auf Reisen“ sind wir erholt und voller Neuem das wir auspacken wollen – Mit der Frage:
Was passt davon in die Altmark und wie läßt es sich umzusetzten?

ENTDECKE DIE BEGEISTUNG ZUM RADFAHREN !

Christian, Berit und Helena
.
radkultur-in-daenemark-37

4 Antworten auf Radkultur unterwegs in Dänemark

  • Dem ist nichts hinzuzufügen. Wir lieben Nordjütland und insbesondere Lønstrup schon seit über 30 Jahren. Hier fühlen wir uns zu Hause. Kann man übrigens auch mit dem Auto erkunden.

    • Lieber Uwe,
      ja, Lønstrup ist echt eine Entdeckung und was die Leute sich da geschaffen haben ist einfach klasse.
      Aber was sagte Mogens Falkenberg von KeraModa, als wir ihn gesagt haben, dass sie viel Glück haben: „Nein nein,
      es ist nicht alles Glück, wir sind auch alle sehr tüchtig“. Vor 30 Jahren haben sie in Lønstrup begonnen, gemeinsam
      was besonderes auf die Beine zu stellen. Mir macht es Mut und es gibt Kraft, weiter an seinen Zielen festzuhalten –
      und tüchtig zu sein.
      Viele Grüße Christian
      Radkultur-Starck

  • Ein toller Artikel, der Lust auf Reisen macht. Einen aber dennoch nachdenklich zurücklässt, besonders, wenn man an das Arendsee-Thema denkt. So ein kleines, hyggeliges, anspruchsvolles Café wäre schon toll.
    Die Keramik-Passage hat wohl eher nicht Christian geschrieben? 😉
    Ich hoffe, wir sehen uns bald mal wieder, um über Neues und Bewährtes zu sprechen.
    Viele liebe Grüße aus Poritz, Dörthe

    • Liebe Dörthe,
      wenn ich nicht schon das Thema „Auswandern“ abgeschlossen hätte, würde Dänemark ganz oben auf der Liste stehen.
      So reisen wir immer wieder gerne in dieses Land.
      Irgendwie zeigt es sich es sehr deutlich bei der Rückkehr, daß wir Deutschen viel Nachholebedarf in Sachen Freundlichkeit,
      regionales / lokales / kleinstädtisches Unternehmertum, gutes Internet (war in DK mindestens 3G, meist 4G – EDGE hatte ich da gar nicht mehr,
      und WIFI meist mit 50mbit) haben. Auch die Verkehrsinfrastruktur ist gut gelöst (Straßen sowie Radwege) und man sieht so gut wie keine Kreuze am Straßenrand…

      Aber weil wir das Thema „Auswandern“ ja schon abgeschlossen haben, war uns wichtig, viele gute Ideen, Eindrücke und „Hyggeligkeit“ mit
      in´s Rückgepäck zu packen. Mit Blick auf Arendsee und die Altmark. Hier, zwischen Hamburg und Berlin, gibt es noch so viel ungenutzes
      Potenzial, das entdeckt und gelebt werden möchte. Und dafür ist es schon gut, daß man nach Dänemark fahren und sich mit viel „frischer Briese“ auftanken kann.

      Den Text haben Berit und ich gemeinsam geschrieben und wir haben uns vorgenommen, in Zukunft öfter etwas ausführlicher
      von unseren „RadkultTouren“ und dem ländlichen Leben zu bloggen. Aber das Städtische werden wir auch noch unter die Lupe nehmen.
      Ganz vorne mit dabei sind Kopenhagen und Amstedam.

      Liebe Grüße Christian

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.